Eine junge Frau sitzt in einer Geschäftsbesprechung mit ihrem Laptop und lächelt in die Kamera
©Boggy - stock.adobe.com
So geht Export

Im Interview erklären die Profis der Raiffeisenlandesbank OÖ wie's geht.

So geht Export

Mit der Exportinvest können Exporteure Investitionen auch im Inland von der Kontrollbank unterstützen lassen. Im Interview erklären zwei Profis von der Raiffeisenlandesbank OÖ Voraussetzungen und Vorteile dieser Finanzierung.

BUSINESS: WAS GENAU IST DIE EXPORTINVEST?

Silvia Mühlböck: Die Exportinvest ist ein relativ neues Förderinstrument der Oesterreichischen Kontrollbank OeKB. Es soll Exporteuren helfen, im Inland Investitionen zu refinanzieren, die sie für ihr Auslandsgeschäft brauchen. Die Abwicklung erfolgt über die Raiffeisenlandesbank OÖ. Wir stellen den Kredit für die Investition zur Verfügung und können uns günstig über einen Finanzierungsrahmen bei der OeKB refinanzieren. Seit Kurzem ist dieses Produkt auch mit Leasing kombinierbar, wir nennen es Exportinvest-Leasing.

Thomas Aufreiter: Wir sind das erste österreichische Unternehmen, das dafür einen Refinanzierungsrahmen bei der OeKB bekommen hat: Und die RLB OÖ-Tochter Raiffeisen-IMPULS-Leasing ist die erste österreichische Leasingfirma, die ein Leasingprojekt via Exportinvest erfolgreich abgeschlossen hat. Darauf sind wir sehr stolz, das ist ein echter Wettbewerbsvorteil.


BUSINESS: WELCHE VORAUSSETZUNGEN MUSS DER FÖRDERUNGSWERBER ERFÜLLEN, UM FÜR DIE EXPORTINVEST IN FRAGE ZU KOMMEN?

Mühlböck: Die Vorgaben der OeKB sind klar formuliert: Das zu fördernde Unternehmen muss eine Exportquote von mindestens 20 Prozent haben und die Gesamtinvestitionskosten müssen mindestens zwei Millionen Euro betragen. Wichtig ist uns, dass wir einerseits über das Gesamtprojekt und andererseits über den notwendigen Finanzierungsbedarf Bescheid wissen. Dann können wir daraus ein Gesamtpaket schnüren, das optimal strukturiert ist. Wenn die üblichen Unterlagen für eine Kreditprüfung plus eine detaillierte Beschreibung des geplanten Investitionsprojektes vorliegen, sollte der Zusage für die Kredit- oder Leasingfinanzierung nichts mehr im Wege stehen.

Aufreiter: Das Projekt dauert von der Einreichung über Prüfung und Rücksprache mit der Kontrollbank bis zur Entscheidung etwa drei bis vier Wochen. Wichtig ist die möglichst konkrete Beschreibung des Investitionsprojektes: Die OeKB muss den klaren Nutzen für den Export erkennen können und auch einen volkswirtschaftlichen Vorteil, wie etwa die Sicherung von Arbeitsplätzen.


BUSINESS: UND WIE FUNKTIONIERT DIE ANTRAGSTELLUNG?

Aufreiter: Ganz einfach: Man muss nur seinen Kundenbetreuer in der Raiffeisenlandesbank OÖ oder in der Raiffeisen-IMPULS-Leasing kontaktieren, der organisiert die gesamte Antragstellung.

Mühlböck: Wir prüfen dann, ob die Exportinvest grundsätzlich möglich ist und ob man es mit einem anderen Produkt kombinieren kann.


BUSINESS: WAS BRINGT EXPORTINVEST GEGENÜBER NORMALEN KREDITEN?

Aufreiter: Die Finanzierung wird wesentlich günstiger.

Mühlböck: Wir greifen auf die Refinanzierungsmittel der Kontrollbank zurück, die sich über die Republik günstig refinanziert. Dieser Vorteil wird an den Leasing- oder Kreditkunden weitergegeben.


BUSINESS: GIBT ES AUCH EINE OBERGRENZE FÜR EXPORTINVEST? WELCHE LAUFZEITEN SIND MÖGLICH?

Mühlböck: Obergrenze gibt es keine, die Laufzeit beim Leasing ist mit acht Jahren begrenzt. Da hätten wir gerne längere Laufzeiten, aber das Produkt ist so neu, dass vielleicht noch nachgebessert wird. Bei der Kreditfinanzierung kann man schon jetzt auf zehn Jahre ausdehnen.


BUSINESS: WAS SPRICHT FÜR LEASING STATT EINEM KREDIT?

Aufreiter: Es gibt steuerliche Vorteile. Die Bilanz wird kürzer, man muss das Leasinggut nicht aktivieren und kann die Rate als Aufwand buchen. Wenn die Bonität des Kunden stimmt, braucht es auch keine Zusatzsicherheiten, weil das Eigentum am Leasinggut bei der Raiffeisen­IMPULS-Leasing verbleibt. Allerdings macht Leasing in Kombination mit Exportinvest erst ab einer Exportquote von 50 Prozent richtig Sinn.


BUSINESS: FÜRCHTEN SIE NICHT, IN DER NÄCHSTEN KRISE AUF EINEM BERG AUS LAGERHALLEN UND PRODUKTIONSSTRASSEN ZU SITZEN

Aufreiter: Raiffeisen-IMPULS-Leasing hat sechs Auslandstöchter in Mitteleuropa, 500 Mitarbeiter, 100.000 Verträge und eine Finanzierungsleistung von drei Milliarden Euro. Wir haben in Österreich die gesamte Produktpalette, vom Leasingauto über Flusskreuzfahrtschiffe und Produktionsanlagen bis zu Gewerbeimmobilien. Wir haben die Finanzkrise 2008 extrem gut überstanden, weil wir gute Kunden und viel Erfahrung im Leasinggeschäft haben.


BUSINESS: WELCHE ALTERNATIVEN HABEN INVESTIERENDE UNTERNEHMEN, WENN SIE ERST IN DEN EXPORT STARTEN?

Aufreiter: Die gesamte Produktpalette der Raiffeisenlandesbank OÖ.

Mühlböck: Zudem bietet die OeKB auch andere Finanzierungen an, wie etwa die Betriebsmittelkredite. Bei den KMUs ist das der Exportfondskredit, bei Großunternehmen der Kontrollbank-Refinanzierungsrahmen.


BUSINESS: WARUM SOLL ICH DIE EXPORTINVEST-FINANZIERUNG ÜBER DIE RAIFFEISENLANDESBANK OÖ BEANTRAGEN?

Mühlböck: Weil wir mit maßgeschneiderten Lösungskonzepten und unserer jahrelangen Auslandskompetenz eine solide finanzielle Basis für den Unternehmenserfolg unserer Kunden schaffen. Es gibt kaum eine andere Bank, die das Exportinvest-Leasing schon anbieten kann. Wie gesagt, hier haben wir einen klaren Vorsprung.

Aufreiter: Dadurch hatten wir auch die Zeit, alle Fragen und Szenarien im Zusammenhang mit der Exportinvest-Leasing durchzudenken und Antworten zu finden. Wir haben auch schon konkrete Erfahrungen mit der Exportinvest-Leasing im Alltag. Im Juli 2018 hat die Kontrollbank dieses Produkt gelauncht, im August hat die Raiffeisenlandesbank OÖ bereits die Rahmenvereinbarung mit der OeKB abgeschlossen, wodurch wir die Mittel rasch abrufen können, im November haben wir das erste Exportinvest-Leasing abgeschlossen und ausbezahlt. Das war nicht nur für uns, sondern für ganz Österreich eine Premiere!